Orgelwochenende in St. Bonifatius-Kirche

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IMG 9434 2500Hohenlimburg, 12.11.207. Mit einem großartigen Konzert endete am Sonntag ein spannendes Orgelwochenende in der St. Bonifatius-Kirche. 

Mit Prof. Peter Planyavsky konnte Kantor Peter Wigge einen Organisten der Extraklasse für ein Seminar und ein abschließendes Konzert in der katholischen St. Bonifatius Gemeinde gewinnen.

Prof. Planyavsky ist einer der international meist geschätzten Organisten unserer Zeit. Jahrzehnte war er Organist und Domkapellmeister am Stephansdom in Wien. Gleichzeitig lehrte er über 50 Jahre an der Wiener Musikhochschule das Spiel auf der Orgel, der "Königin der Instrumente".

IMG 9396 900Zwölf Organisten aus dem ganzen Bistum Paderborn waren am Samstag zusammengekommen, um bei einem Seminar an der St. Bonifatius-Orgel vom Meister zu lernen. Sie waren begeistert von der Professionalität, aber auch vom sprichwörtlichen Humor des über Siebzigjährigen.

Am Abend kamen dann nahezu 200 orgelbegeisterte Besucher in die Kirche, um dem Meister zu lauschen. Planyavsky führte selbst kurz in das Programm ein und wies auf einige Besonderheiten der dargebotenen Stücke hin.

IMG 9585 1000Zu Beginn verwandelte er das Instrument in ein Blasorchester mit dem Livre d'Orgue von Jaen-Francois Dandrieu, komponiert Mitte des 18. Jahrhunderts. Von hohen Flötentönen bis zu tiefen Basstrompeten war die gesamte Bandbreite zu hören, teilweise vermutet man keine Orgel dahinter.

Von Johan Sebastian Bach gab der Meister zwei eher selten gespielte Stücke, "Christus, der uns selig machende" und das Concerto G-Dur nach Johann Ernst. Hierzu versprach Planyavsky: "Das Stück holt uns aus der trüben Stimmung dieser Tage!", und nahezu fröhliche, mit flinker Hand gespielte Melodien taten dies auch.

Über Camille Saint-Saens Präludium und Fuge in H-Dur, komponiert Anfang des letzten Jahrhunderts, ging es dann zu Paul Hindemith. Dieser Komposition, der 1937 entstandenen Sonate II, merkt man das "junge" Alter von etwa 85 Jahren an. Es fällt schwer, der zur damaligen Zeit modernen Orgelmusik eine fortlaufende Melodie zu entnehmen. Für die Zeit typisch scheinen die immer wieder eingefügten, leichten Dissonanzen, auf einem schweren, tragenden, Tiefton-Klangteppich zu sein. Im Vergleich zu anderen Stücken wurden diese Dissonanzen aber nur zaghaft eingesetzt. 

Auf vertraute Klänge führte dann die Sonate Nr.1, f-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy zurück. Hier wurden Techniken der Klaviermusik auf die Orgel übertragen, erklärte der Organist bei der Vorstellung der Stücke. Schloss der Zuschauer hier die Augen, konnte er sich an manchen Stellen den Organisten wie einen Stepptänzer auf der Pedalerie des Spieltisches vorstellen. So virtuos und leichtfüßig bediente er das Instrument.

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Seine ganze Klasse jedoch spielte Prof. Planyavsky in seiner Improvisation zum Abschluss des Konzertes aus. Kantor Peter Wigge hatte sich als Thema die Barocke Version von "Schönster Herr Jesu" gewünscht. Es war schon erstaunlich, wie Planyavsky die Melodie von 1677 in seine Einzelteile zerlegte, regelrecht auf die einzelnen Töne sezierte und über die ganze Bandbreite, die das Instrument bietet, wieder neu zusammenfügte. Immer wieder führte er auf die bekannt kurze Startsequenz des Stückes zurück, um sie gleich wieder zu verlassen. Die Interpretation wurde mit stehendem Applaus vom Publikum honoriert. 

In der Gesamtheit des Konzertes hat Planyavsky die Orgel nicht als mächtiges und gewaltiges, mal lautes Instrument intoniert, sondern er hat besonders die Feinheiten und leisen Töne herausgearbeitet, die nur selten von solch einem gewaltigen Instrument zu hören sind. Gerade diese Filigranarbeit an dieser „Königin der Instrumente“ hat das besondere dieses Konzertabends ausgemacht.

Es bleibt zu hoffen, dass diesem vierten Besuch von Prof. Planyavsky in Hagen bald ein weiterer folgt.

 

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